Die Kunst geht der Wissenschaft voran. Bekanntlich war die
Mechanik ein spätes Produkt des Barock, Thermo- und Elektrodynamik waren
Produkte der Romantik und der Surrealismus gebar die Quantenmechanik.
Das berühmte dadaistische Gemälde
inspirierte mich zur bisher brauchbarsten Theorie der tiefunelastischen Reaktionen
und der Kernspaltung, dem zufälligen Halsreißen (Random
neck rupture, J.Phys.G:Nucl.Phys.10 (1984) 933-954),
von neidischen Kollegen auch "nukleares Rheuma" oder "Henker mit der zitternden
Hand" genannt. Wie das zufällige Halsreißen
bei der Kernspaltung funktioniert, können Sie mit einem Film
verstehen. Die Version
mit kleinen Bildern kostet nichts. Zum Film gibt es eine begleitende Publikation,
die als PDF-Datei
runtergeladen werden kann. In dieser Publikation steht, obwohl sie kurz ist,
viel mehr über Kernspaltung und das zufällige Halsreißen, als der Film zeigt.
Insbesondere wird erklärt, wo quantenmechanische Effekte zum Vorschein kommen.
Kernspaltung produziert chemische Elemente in sonst unvorstellbarer Vielfalt.
Kupfer, Silber, Caesium, ... , was das Herz begehrt. Leider sind fast alle Isotope radioaktiv.
Das zufällige Halsreißen ist der Grund, weshalb es derzeit aussichtlos ist
mit dem nuklearen Müll fertig zu werden.
Rechtzeitig erkannte Angriffspläne der Assimilanzfäden auf die Feste DADA (Ausschnitt)
Siehe auch:
Bin Brosa: Mit dem Paten der pakististanischen Atombombe befreundet
Schulte, Richter im Amtsgericht Marburg, beschimpft Unschuldigen
Besser bei Islamisten in Pakistan als im Schmutz der Marburger Justiz
Werner war ein Blödmann
Kernspaltung
Vorlesung
im Fachbereich Physik der Philipps-Universität Marburg.
Sommersemester 2010, donnerstags von 10:15 bis 11:45, erste Vorlesung 15.4.2010
Renthof 6, Hörsaal.
Der Atomkern als Tropfen aus idealer Flüssigkeit
Der Kern kurz vor dem Zerreißen = Prescission Shape.
Aus ihm sind folgende Messergebnisse ableitbar:
a) Verteilung der Fragmente Y(A), die Ausbeute oder der Yield, als Funktion der Fragment-Massenzahl A
b) totale kinetische Energie beider Fragmente TKE(A)
c) Neutronen-Multiplizität der Fragmente nu(A)
als Funktionen der Fragment-Massenzahl A.
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| In der oberen Hälfte des Bilds ein Kern kurz vor dem Zerreißen. Diese Vorreißform nennen wir den Prescission Shape. Um Platz zu sparen, wurde nur dessen obere Hälfte gezeichnet. Ähnlich sparsam sind in der unteren Hälfte nur die unteren Hälften der Fragmente zu sehen, die kurz nach dem Zerreißen entstehen. Sobald die Stelle am Hals, wo der Prescission Shape reißt, gegeben ist, können die geometrischen Daten der Fragmente ausgerechnet werden. Das Zerreißen geschieht schnell. Die Länge des Komplexes kann sich also beim Zerreißen kaum ändern. Daraus folgen die großen Halbachsen der Rotationsellipsoide. Die kleinen Halbachsen folgen danach aus der Volumenerhaltung, d.h. der näherungsweisen Inkompressibilität der Kernmaterie. Sind die geometrischen Daten der Fragmente bekannt, kann die Coulomb-Abstoßung zwischen ihnen und - nach Berücksichtigung kleinerer Korrekturen - die totale kinetische Energie TKE(A), die sie schließlich erreichen, berechnet werden. Weiter: Durch die Deformation bekommen die Fragmente Extra-Energie, die großenteils durch Emission von Neutronen abgegeben wird; die Neutronen-Multiplizität nu(A) wird dadurch errechenbar. Schließlich bestimmt die Länge und Dicke das Halses die Verteilung der Massen Y(A). Wie die Rechnungen im Einzelnen gehen, ist Gegenstand dieser Vorlesung. Und vor allem soll verdeutlicht werden, wie man den Prescission Shape berechnen oder zumindest abschätzen kann. |
Zuerst qualitativ: Wie das zufällige Halsreißen Messergebnisse erklärt.
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Oben und unten in dieser Zeichnung sind experimentelle Befunde bei der
spontanen Spaltung von Californium (252Cf) angegeben. Es sind die Punkte, Kreislein
und Kreuze. Oben im Teil (a) ist die Massenverteilung Y(A) als Funktion der
Fragmentmasse zu sehen, unten im Teil (c) die Neutronenmultiplizität nu(A).
Beide Befunde sind merkwürdig. Oben ist es die Asymmetrie,
dass also das Maximum der Massenverteilung nicht bei A=126=252/2 liegt.
Unten ist es der Sägezahn; bei A=126 springt die Neutronenmultiplizität
von hohen Werten nu>3 auf niedrige nu<2. In der Mitte im Teil (b) erscheint
der Prescission Shape, wie also 252Cf kurz vor dem Zerreißen aussieht.
Mit dem Prescission Shape werden alle Merkwürdigkeiten begreiflich.
Der Prescission Shape ist asymmetrisch. Sein rechter Kopf ist größer als
sein linker.
Der Hals des spaltwilligen Kerns kann an unterschiedlichen Stellen reißen. Reißt er weit links, entstehen die Fragmente 1 und 1'. Das Fragment 1 enthält viel weniger nukleare Materie als das Fragment 1'. Wo die beiden Fragmente in der Massenverteilung erscheinen, ist im Teil (a) mit dem Pfeilen 1 und 1' markiert. Zurück zu Teil (b): An der Stelle 1-1' ist der Hals verhältnismäßig dick. Dort reißt er eher selten, was die kleinen Y(A) bei 1 und 1' in Teil (a) verursacht. Wieder zurück zu Teil (b): Das Fragment 1 ist weniger deformiert als das Fragment 1'. Sobald die Deformationsenergie in Anregungsenergie umgewandelt ist, wird das Fragment 1' mehr Neutronen abdampfen als das Fragment 1. Das ist in Teil (c) abzulesen. Zurück zu Teil (b): Der Hals des Prescission Shape ist an der Stelle 2-2' am dünnsten. Dort reißt er am häufigsten. Doch weil der rechte Kopf größer ist als der linke, enthält das Fragment 2' mehr Materie als das Fragment 2. Genau das sehen wir in Teil (a): Die Fragmente 2 und 2' werden am häufigsten produziert. Der Yield Y(A) ist dort am größten. Doch wieder zurück zu Teil (b): Die Fragmente 2 und 2' sind ungefähr gleich stark deformiert. Sie werden ungefähr gleich viele Neutronen abdampfen. Genau das zeigt Teil (c). Schließlich wollen wir verstehen, was geschieht, wenn der Prescission Shape an der Stelle 3-3' reißt. Die Fragmente haben dort etwa gleiche Massen, eben weil der rechte Kopf größer ist als der linke. Doch an der Stelle 3-3' ist der Hals dicker als an der Stelle 2-2'. Die Yields Y(A) der Fragmente 3 und 3' müssen kleiner sein als die der Fragmente 2 und 2'. Das ist wirklich so, wie Teil (a) zeigt. Zum letzten Mal zurück zu Teil (b): Das Fragment 3 ist viel stärker deformiert als das Fragment 3'. 3 wird mehr Neutronen abdampfen als 3', siehe Teil (c); der Sägezahn ist erklärt. |
Nuklidkarte. Tal der stabilen Kerne.
Zerfallsarten der instabilen Kerne.
Messung nuklearer Massen: Molzahl-Messung,
Waage, Massenspektrometer, Kern-Reaktionen mit E=mc^2.
Weizsäcker-Formel für
die Kernmassen: Volumen-, Oberflächen-, Coulomb-, Asymmetrie- und Paarungsterm.
Methode der kleinsten Quadrate: Chi-Quadrat, Freiheitsgrade.
Entdeckung der Wahrheit durch Datenreduktion.
Die Mängel der Weizsäcker-Formel und die magischen Zahlen 8,20,28,50,82,126.
Aus der Weizsäcker-Formel folgt
a) der Kernradius: r_0*A^(1/3) mit r_0=1.2 fm ,
b) die Konstante der nuklearen Oberflächenspannung: gamma_0=0.9 MeV fm^(-2) .
Verallgemeinerung der Weizsäcker-Formel für deformierte Kerne.
Die Oberflächen-Energie wird mit einem Oberflächen-Integral,
die Coulomb-Energie wird mit einem doppelten Volumen-Integral verallgemeinert.
Das doppelte Volumen-Integral kann mit einer Doppeldivergenz-Formel reduziert werden.
Die Shapes, d.h. deformierte Kerne, auf einer Karte mit den Koordinaten
Halsradius und Halblänge.
Die gesamte Energie des Kerns als Gebirge über dieser Karte.
Die Spalt-Barriere.
Drei Parameterisierungen der Oberfläche (Shapes) um den zerreißenden Tropfen zu beschreiben:
1) Zylinder plus Cosinus mit Deckeln. Freiheitsgrade: Halblänge l (halbe Wellenlänge) und Halsradius r.
2) Lawrence-Shapes. Freiheitsgrade: Halblänge l, Halsradius r, dickste/dünnste Stelle bei z,
Krümmung dort c, Lage des Schwerpunkts s.
3) Zerreißform minimaler Krümmung. Freiheitsgrade: Halblänge l, Halsradius r, dünnste Stelle bei z.
Drei Theorien der Rayleigh-Instabilität:
A) mit elementarer Geometrie. Der Satz "Die Kugel hat von allen Körpern mit vorgebenem Volumen
die kleinste Oberfläche" wird auf einen unendlich langen Zylinder und eine unendliche Reihe von Kugeln übertragen.
Das System gewinnt Oberflächen-Energie, sobald der Kugelradius um drei Halbe größer ist als der Zylinderradius.
R > 3/2 r.
B) durch Berechnung infinitesimaler Störungen des unendlich langen Zylinders. Das System gewinnt Oberflächen-Energie,
sobald die Wellenlänge der Störung größer ist als 2*pi*r.
C) mit Dynamik. Die Euler-Gleichungen der idealen Flüssigkeit werden mit einer Lagrange-Funktion in
Lagrange-Gleichungen 2.Art umgewandelt. Für jeden Freiheitsgrad entsteht eine Differenzialgleichung zweiter Ordnung.
Berechnung der Lagrange-Funktion aus potenzieller und kinetischer Energie. Die Trägheitsparameter.
Explizite Berechnung des Trägheitsparameters für die Parametrisierung 1). Die Lösung des Randwertproblems zweiter Art mit dem beweglichen Rand führt auf die MacDonald-Funktion I_0. Damit kann die Bewegungsgleichung gelöst werden. Sie ergibt die Wellenlänge, bei der die Rayleigh-Instabilität am schnellsten wächst: 1.435*2*pi*r. Wenn man die Wellenlänge mit der totalen Länge des Tropfens 2*l identifiziert, muss die endliche Länge berücksichtigt werden. Das ergibt den weiteren Faktor 1.172. Ingesamt:
2*l=11*rIn Worten: Meistens zerreißt der Tropfen, wenn er elfmal so lang ist wie der Radius seines Halses.
Erklärung der realitätsnäheren Berechnungen mit der Parametrisierung 2) wie in der Begleitpublikation zu unserem Film ab S.5. Die Verschiebungsinstabilität wird nicht durch einen Wechsel in der potentiellen Energie oder durch Kräfte ermöglicht, sondern durch Schwinden des Trägheitsparameters. Die Verschiebungsinstabilität ihrerseits ermöglicht das Reißen des Halses an drastisch unschiedlichen Stellen: zufälliges Halsreißen - random neck rupture. Je länger der Hals, desto mehr Masse enthält er. Die Massenverteilung der Fragmente nimmt mit der Halslänge drastisch zu.
Vorführung unseres Films über das zufällige Halsreißen auf großer Leinwand.
Diskussion experimenteller Daten aus tief unelastischen Kernreaktionen. Schwere Atomkerne (Projektile) werden so schnell auf andere Atomkerne (Targets) geschossen, dass sie die wechselseitige Coulomb-Abstoßung überwinden und wegen der Kernkräfte eine Zeit lang aneinander kleben. Dabei dramatischer Verlust an kinetischer Energie (tief unelastisch). Die Fragmente, die beim Auseinanderreißen entstehen, können sehr verschieden sein, aber unterscheiden sich im Mittelwert von Target und Projektil wenig (riesige Varianzen, k(l)eine Drift).
Beispiel: Argon auf Molybdän. Darstellung aller Produkte in einem Höhenschichtlinien-Diagramm (contour plot) über der Ebene aus Massenzahl und Energieverlust.
Bei den Reaktionen mit den größten Energieverlusten kleben die Kerne relativ lang aneinander, so dass sie sich von Kernspaltung wenig unterscheiden. Systematik der totalen kinetischen Energien der Fragmente als Funktion von Z/A^(1/3), worin Z und A Ladungs- und Massenzahl des Gesamtkerns (compound nucleus) bedeuten.
Experimentelle Ergebnisse über die Neutronen-Verdampfung aus den Fragmenten: Wegen des Gleichverteilungssatzes der statistischen Physik sollte man vermuten, dass die Neutronen-Multiplizität homogen linear mit der Nukleonen-Anzahl der Fragmente wächst. Tatsächlich ist die Abhängigkeit viel steiler. Das wird erklärt dadurch erklärt, dass die Fragmente beim zufälligen Halsreißen deformiert entstehen. Die Größe der Deformation hängt von der Riss-Stelle ab. Mit der Annahme, dass die Deformationsenergie letztlich in Anregung der Fragmente übergeht und schließlich durch Verdampfung von Neutronen abgegeben wird, können die experimentellen Befunde richtig erklärt werden.
Insgesamt folgende Erfolge des zufälligen Halsreißens bei den tief unelastischen Reaktionen:
Größter Mangel: Zufälliges Halsreißen, das nur auf der Theorie flüssiger Tropfen beruht, kann die Entstehung asymmetrischer Zerreißformen bei der gewöhnlichen Spaltung und somit auch die asymmetrische Massenverteilung nicht erklären. Daher von nun an:
Quantenmechanische Korrekturen zum Tropfen-Modell
Atomkerne, deren Protonen- und/oder Neutronen-Anzahl magisch ist, sind besonders stabil. Die magischen Zahlen 2,8,20,28,50,82,126 sollen aus einem Schalenmodell für Nukleonen abgeleitet werden. Kollektives Potential der Kernkräfte nach Saxon-Woods. Da das zugehörige Eigenwertproblem nur numerisch gelöst werden kann, wurde das Saxon-Woods-Potential durch das Potential eines dreidimensionalen Oszillators oder eines unendlich tiefen Lochs approximiert. In keinem Fall kommen die magischen Zahlen richtig heraus. Willkürliche Einführung einer Spin-Bahn-Kopplung, die aber dutzendfach stärker ist als das, was aus der Dirac-Gleichung ableitbar ist, und das falsche Vorzeichen hat.
Wie man Partitionen mit Potenzreihen ausrechnet. Anwendung auf die Entartung der Niveaus des dreidimensionalen harmonischen Oszillators: Die Oszillator-Niveaus sind ((N+1)(N+2)/2)-fach entartet. Schalen im Oszillator-Modell. Was den magischen Zahlen des Oszillators fehlt um mit den gemessenen übereinzustimmen.
Andere Sortierung der Niveaus nach Drehimpulsen l. Jedes Drehimpuls-Niveau ist wegen des Spins 2(2l+1)-fach entartet. Beim Wirksamwerden der Spin-Bahn-Kopplung werden daraus zwei Niveaus, eines mit dem Drehimpuls l-1/2, eines mit l+1/2. Das erste ist (2l)-fach entartet, das zweite (2l+2)-fach. Um die gemessenen magischen Zahlen zu bekommen, müssen wir das zweite Drehimpuls-Niveau so stark absenken, dass es sich mit dem Oszillator-Niveau einer unteren Schale vermählt. Daher übermäßig starke Spin-Bahn-Kopplung mit falschem Vorzeichen im Schalen-Modell der Kernphysik.
Erfolge des Schalenmodells bei der Erklärung der besonders stabilen Kerne, der Kernspins und der magnetischen Momente der Kerne. Totales Versagen des Schalenmodells, wenn die Kernmassen absolut ausgerechnet werden sollen: Das Schalenmodell sagt voraus, dass die Bindungsenergien fast quadratisch mit den Nukleonen-Anzahlen variieren, während allenfalls lineare Abhängigkeit gemessen ist.
Behebung des Mangels mit den Strutinsky-Korrekturen: Die Kernmassen sind aus dem Tropfenmodell (a la Weizsäcker) plus kleinen Korrekturen zusammenzusetzen. Die kleinen Korrekturen werden mit dem Schalenmodell berechnet. Strutinskys Aufweichung (smoothing) der Niveaudichten.
Berechnung der Schalenkorrekturen im Einzelnen:
Anwendung der Schalenkorrekturen um gemeinsam mit der Weizsäcker-Formel Bindungsenergien zu berechnen. Die Übereinstimmung mit gemessenen Werten verbessert sich um fast eine Größenordnung. Die Fehler sind jetzt - außer bei den leichtesten Kernen - höchstens 2 MeV.
Anwendung der Schalenkorrekturen auf deformierte Kerne. Dabei werden bisher unbekannte magische Zahlen entdeckt, besonders 114. Kerne, die weitaus schwerer sind als Uran, werden dadurch stabil. Vorhersage der Superheavies, deren Existenz etwa ab 2000 experimentell bestätigt wurde.
Anwendung der Schalenkorrekturen auf deformierte Kerne um Spaltungsbarrieren zu berechnen. Die aus dem Flüssigkeitsmodell bekannte einfache Barriere teilt sich auf. Zwischen zwei Sätteln liegt ein bisher unbekanntes Minimum, indem Kerne sich lange aufhalten können, bis sie doch spalten. Das erklärt die so genannten Spaltungsisomere.
Mehr Einzelheiten zur Berechnung der Schalenkorrekturen auch in sehr stark deformierten Kernen:
So wurden die Brosa-Kanäle berechnet - Pfade vom Compound-Kern bis zum Zerreißen bei stets möglichst geringer potentieller Energie.
Die Brosa-Kanäle im 252Cf - Californium hat alles: Standard, Superlong und Supershort.
| Was tut ein armer Californium-Kern, wenn er spalten will? Er hat kaum Energie - vor allem in seinen kollektiven Moden - und sucht sich diejenigen Kanäle in seiner eigenen Energielandschaft, in welchen er möglichst wenig Energie für seine Deformation bezahlen muss. Im Bild unten links sind diese Kanäle im Konfigurationsraum zu sehen. Dieser Raum wird durch die Koordinaten Halblänge l, Halsradius r und Verschiebung z der dicksten/dünnsten Stelle von der Symmetrie aufgespannt. Das ist ein dreidimensionaler Raum, den Grundriss, Seitenriss und Aufriss wie im technischen Zeichnen veranschaulichen. Am einfachsten ist die Projektion auf die l-r-Ebene in der Mitte zu verstehen. Der Kern beginnt im Grundzustand (gs ground state). Dann wird er länger (l nimmt zu). Er kommt bald an einen Verzweigungpunkt (.), wo er sich für den Standard- oder den Super-Long-Kanal entscheiden kann. Der Kern bevorzugt meistens den Standard-Kanal (die durchgezogene Linie), weil er dabei, wie wir unten sehen, Energie spart. Der Kern schnürt sich ein (r nimmt ab) und kommt bald danach an einen zweiten Verzweigungspunkt (.), wo er die Wahl zwischen Standard- und Super-Short-Kanal hat. Auch hier bevorzugt der Californium-Kern den Standard-Kanal (die durchgezogene Linie), weil er dadurch Energie spart. Der Kern elongiert weiter (l nimmt zu) und schnürt sich zugleich ein (r nimmt ab), bis er an der Stelle (+) reißt. Im Standard-Kanal strebt der Kern zur Asymmetrie und bleibt asymmetrisch, bis er zerreißt (z verschieden von 0). Wir sehen das an den durchgezogenen Linien in den z-r- oder z-l-Ebenen links. Der Super-Long-Kanal (gestrichelte Linie) und der Super-Short-Kanal (gepunkte Linie) dagegen kehren zur Symmetrie (z=0) zurück. |
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Im größten Diagramm in der Mitte ist die Deformationsenergie E_def als Funktion der Halblänge l
zu sehen. Wenn der Kern den Grundzustand (gs, das erste Minimum) verlässt, muss er erst die erste Barriere
überwinden, gerät danach in das zweiten Minimum (2nd min)
und muss schließlich die zweite Barriere durchtunneln. Falls er sich am ersten Verzweigungspunkt
entschließt doch den Super-Long-Kanal zu durchstreifen, muss er über die Super-Long-Barriere,
die höher ist alle anderen Barrieren. Auch die Super-Short-Barriere hinter dem zweiten
Verzweigungspunkt ist sehr hoch. Californium ist ein schlechter Super-Short- und ein noch
schlechterer Super-Long-Spalter. Die Bilder oben rechts veranschaulichen, was die Spaltungskanäle
geometrisch bedeuten. Die Shapes 1,2,3 im Teil (a) veranschaulichen die Deformation vom
Grundzustand über die erste Barriere in zweite Minimum. Wie sich der Kern entwickelt,
sobald er endgültig im Standard-Kanal schwimmt, zeigen die Shapes 1,2,3 im Teil (c). Diagramme von Brosa, Grossmann, Müller: Nuclear Scission. |
Auch in Uran ist die Barriere im superlangen Kanal viel höher als im Standard-Kanal. Das ist experimentell prüfbar, indem 235U mit Neutronen zunehmender Energie beschossen wird. Der Compound-Kern 236U bekommt dadurch immer mehr Anregungsenergie und kann so die Superlang-Barriere immer leichter überwinden. Dadurch steigt der Superlang-Anteil im der Ausbeute Y(A,TKE) mit zunehmender Neutronen-Energie exponentiell an.
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So überlagert sich das, was aus den einzelnen Spaltungskanälen kommt, in den gemessenen
Massenverteilungen, dem Yield Y(A) als Funktion der Fragmentmasse A. Das Tafelbild
entspricht ungefähr dem, was z.B. bei der Spaltung
von 236U und 252Cf gemessen wird.
Die großen Höcker in der Asymmetrie, rot gemalt, stammen aus dem Standard-Kanal,
der - genau untersucht - aus zwei dicht nebeneinander verlaufenden Kanälen besteht:
Standard I und Standard II. Die Standard-Kanäle enden in asymmetrischen Prescission-Shapes;
der von Standard II ist noch etwas unsymmetrischer als der von Standard I.
Den Yield aus dem Superlong-Kanal habe ich gelb an die Tafel gemalt. Der zugehörige
Prescission-Shape ist symmetrisch, aber sehr lang. Demzufolge generiert er eine
symmetrische Massenverteilung (A ungefähr gleich A_cn/2). Der Superlong-Yield ist
in der Spaltung von 252Cf klein, in der Spaltung von 236U sogar sehr klein, doch
in beiden Fällen einwandfrei messbar.
Bedeutungsvoll ist besonders die Breite der Beiträge. Superlong liefert eine enorm breite Massenverteilung, die Standard II-Verteilung ist auch noch ziemlich breit, die Standard I-Verteilung dagegen schmaler, während die Supershort-Verteilung (hier nicht eingezeichnet) enorm schmal ist. Die Breite variiert, wie in der Vorlesung am 6.5.2010 mit der Länge des Prescission-Shape. Superlong produziert einen sehr langen Precission-Shape, der Prescission-Shape von Standard II ist schon kürzer, noch kürzer ist der von Standard I und am kürzesten ist der Prescission-Shape von Supershort. |
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Eine qualitative Übersicht über das, was die Spaltungskanäle produzieren, gibt
diese Tabelle. Was die Massenverteilung Y(A) betrifft, gilt das beim Bild darüber
Erklärte. Die Verteilungen der totalen kinetischen Energie TKE(A) sind immer
symmetrisch. Sie können aber bei hohen Energien oder bei niedrigen Energien
verlaufen. Die Länge des Prescission-Shape zeigt sich direkt in der TKE.
Natürlich gibt Superlong die niedrigsten TKE, Supershort die höchsten.
Die Ausbeute an Neutronen nu(A), die nach der Spaltung emittiert werden,
variiert gerade umgekehrt wie die TKE, weil in kurzen Prescission-Shapes gering
deformierte Fragmente produziert werden. In langen Prescission-Shapes dagegen
werden stark deformierte Fragmente erzeugt. Die Prescission-Shapes von Superlong
und Supershort sind beide symmetrisch. Sie verursachen Neutronen-Multiplitäten nu(A),
die monoton ansteigen - ohne Sägezahn. Viele quantitative Vergleiche der Theorie mit Messungen in Brosa, Grossmann, Müller: Nuclear Scission. |
Die Systematik aller spaltenden Kerne folgt aus der Überlagerung von Beiträgen aus den drei Kanälen Superlong, Standard und Supershort. Die leichtesten spaltenden Kerne wie Astat sind hauptsächlich Superlong-Spalter, die schwersten wie Fermium sind hauptsächlich Supershort-Spalter. Kerne dazwischen wie Thorium, Uran und Califorium sind hauptsächlich Standard-Spalter. Californium ist insofern besonders, als bei der 252Cf-Spaltung Superlong- UND Supershort-Beiträge, wenn auch klein, nachweisbar sind. Wie häufig die Kanäle frequentiert werden, hängt von den relativen Höhen ihrer Barrieren ab. In Astat beispielsweise ist die Superlong-Barriere relativ niedrig, während in Fermium der Supershort-Kanal energetisch am günstigsten ist.
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Links im Bild ist 213At ein so leichter Kern, dass er nur spaltet, wenn man mit
Alpha-Teilchen auf 209Bi haut. 213At ist ein Superlong-Spalter, mit kleinen
Beiträge von Standard. Man muss den Yield Y(A) (ganz links) logarithmisch auftragen,
damit die Standard-Beiträge sichtbar werden. Deutlicher werden die
Standard-Beiträge in der totalen kinetischen Energie TKE(A): das Ohr bei großen
Massenzahlen A.
Bei der Spaltung von 227Ac sind die Standard-Beiträge schon so stark, dass man eine logarithmische Skala nicht mehr braucht. 236U spaltet hauptsächlich durch den Standard-Kanal. Der Superlong-Kanal ist aber noch in der TKE(A)-Kurve erkennbar. Er verursacht die Absenkung bei A etwa gleich A_cn/2. Auch bei der 255Es-Spaltung liefert der Standard-Kanal noch die wichtigsten Beiträge. Doch der Superlong-Kanal wird praktisch nicht mehr befahren. Stattdessen kommen Beiträge aus dem Supershort-Kanal zum Vorschein. Man sieht das an dem Maximum von TKE(A) bei A=A_cn. 259Fm ist ein dominanter Supershort-Spalter, auch wenn der Standard-Kanal noch eine Menge ausgibt. Diagramme von Brosa, Grossmann, Müller: Nuclear Scission. |
Messdaten im Ausgangskanal:
Bei den Neutronen ist zwischen prompten Neutronen und verzögerten Neutronen
zu unterscheiden. Die prompten Neutronen werden unmessbar schnell nach
der Spaltung ermittiert. Die verzögerten Neutronen kommen später -
Verzögerung im Sekunden-Bereich.
Bei der Spaltung des 236U kommen 0.7% aller Neutronen verzögert, bei 240Pu sind es sogar nur 0.2%.
Gruppen der verzögerten Neutronen bei 236U.
Ausschließlich die verzögerten Neutronen ermöglichen
die Regelung der Spaltung und somit den Betrieb von Kernkraftwerken.
Wie es zu den Bezeichnungen Ausgangskanal und Eingangskanal kommt, wird jetzt erklärt.
Die Wirkungsquerschnitte
Der Wirkungsquerschnitt wird definiert für Teilchen durch
(Zahl der Treffer)/(Zahl der Schüsse pro Flächeneinheit)
und für Kontinua durch
(Abgelenkter oder absorbierter Strom)/(einfallender Strom pro Flächeneinheit)
In der Kernphysik, in der alle Projektile und Targets einigermaßen scharfe Kanten haben und wo die starke, aber kurzreichweitige Wechselwirkung vorherrscht, sollte man erwarten, dass die Wirkungsquerschnitte den geometrischen Querschnitten der Kerne ungefähr gleich sind. Falsch!
Einführung einer neuen Flächeneinheit: 1 Scheunentor = 1 barn = 1 b = 10^{-24}cm^2.
Die geometrischen Querschnitte der Kerne betragen ungefähr 0.05 bis 2 b.
Umgangssprachlich: Ein Atomkern ist ungefähr so groß wie ein Scheunentor.
Bei Reaktionen mit Neutronen werden jedoch Wirkungsquerschnitte weit über 10^6 b
gemessen. Ein Kern kann also Neutronen aus einem Umfeld ansaugen, das
1000 x 1000 größer ist als er selbst.
Beispiele:
Rechnet man Breiten von etwa 0.1eV über die so genannte Energie-Zeit-Unschärfe in Zeiten um, kommt etwa 10^(-14)s heraus. Die Zeit, die ein Nukleon braucht um den Kern zu durchqueren, beträgt etwa 10^(-21)s. Kernphysiker nennen die letzte Zeit eine Baby-Sekunde. Ein Kern braucht also etwa zehn Millionen Baby-Sekunden um ein Neutron zu absorbieren und danach zu spalten, ein Photon zu emittieren oder auf andere Weise zu zerfallen. In der langen Zwischenzeit existiert der Compound-Kern. Prozesse, die den Compound-Kern bilden, werden Eingangskanäle genannt. Prozesse, bei denen der Compound-Kern zerfällt, werden Ausgangskanäle genannt.
Physiker, die Kernkraftwerke konstruieren, unterteilen alle Atomkerne in drei Klassen:
Der Reaktivitätskoeffizient: die wichtigste Kennzahl der Sicherheit von Kernkraftwerken. Ein negativer Reaktivitätskoeffizient bedeutet, dass sich ein Reaktor abregelt, wenn er heißer wird. Bei einem positiven Reaktivitätskoeffizienten reagiert der Reaktor immer mehr, je heißer er wird; er kann zur Atombombe werden.
Die bekanntesten Reaktortypen:
Now I am become DEATH, the destroyer of worlds.Hier klicken um das Video mit Oppi dem TOD anzuschauen. Oppi hat den Spruch aus der Bhagavad Gita, dem Gesang vom Erhabenen. Es ist der erste Roman über einen Wehrdienstverweigerer. Ardschuna (Arjuna), obwohl mit einem Streitwagen bestens gerüstet, hat keine Lust zu kämpfen. Sein Wagenlenker redet ihm zu. Als das nichts nutzt, verwandelt sich der Wagenlenker in Krischna bzw. in Vischnu. (Krischna ist eine Wiedergeburt von Vischnu.) Er erscheint dem Ardschuna mit vielen Köpfen und Armen, in jeder Hand ein Knüppel, und sagt: "Jetzt bin ich der TOD geworden, der Zerstörer der Welten". Da gibt Wehrdienstverweiger Ardschuna seinen Widerstand auf und rollt in die Schlacht.Jetzt bin ich der TOD geworden, der Zerstörer der Welten.
логарифметической линейкойwas mächtig kuhl klingt. (Der Rechenschieber dürfte heutigen an Taschenrechner gewöhnten StudentInnen unbekannt sein.) Alle am Atombomben-Bau beteiligten Physiker fühlten sich als Herren der Welt, waren in Wirklichkeit jedoch Hampelmänner der Machthaber ihrer Staaten.mit einem Rechenschieber,
[atomindustrie]
Die wichtigsten Fakten zur globalen Atomindustrie in einigen
Diagrammen. Man sieht den Aufschwung bis zum Super-GAU in Tschernobyl
1986 und danach die zunehmende Überalterung der Atomkraftwerke. Die IAEA
liefert jährliche
Übersichten über die Kernkraftwerke, die gebaut oder außer Betrieb
gesetzt werden.
[brosa kanäle / brosa moden]
Schalenstrukturen im sich deformierenden Kern ermöglichen mehrere Entwicklungen
vom Compound-Kern bis zum Zerreißen. Diese Entwicklungen werden von manchen Brosa
channels, von anderen Brosa
modes genannt.
[compound]
In der Vorlesung meist durch cn (compound nucleus) abgekürzt.
Wenn der 235U-Kern ein Neutron eingefangen hat, wird er zum Compound-Kern
236U. Es ist 236U und nicht 235U, was spaltet. Die
deutsche Wikipedia hat eine falsche
Animation der neutronen-induzierten Spaltung veröffentlicht.
Danach deformiert ein Neutron den Kern, wenn es ihn trifft.
In Wirklichkeit wird das Neutron vom Kern verschluckt (absorbiert). Der
so genannte Compound-Kern entsteht. Er lebt lange, obwohl er stark
angeregt ist. Die meistens thermischen Schwankungen können -selten- zu kollektiven
Schwingungen werden, weil ein spaltender Kern nur aus etwa zweihundertfünfzig
Nukleonen besteht. Von diesen kollektiven Schwingungen kann die eine oder
andere sogar zur Spaltung führen. Eine nicht total falsche Animation wird auf einer
Kernspaltungsinternetseite für
Kinder angeboten. Albern sind die bunten Nukleonen. Im wirklichen Kern
sind die Nukleonen nicht unterscheidbar und nicht lokalierbar.
[doppeldivergenz]
Die Coulomb-Energie eines homogen geladenen Körpers wird durch ein doppeltes
Volumen-Integral definiert. Mit der Doppeldivergenz-Formel kann das doppelte
Volumen-Integral auf ein doppeltes Flächen-Integral reduziert werden. Aus einem
sechsfachen wird also ein vierfaches Integral, was die Berechnung - besonders
die numerische - enorm vereinfacht. Ähnliche Doppeldivergenz-Formeln kann man
für weitere Energien finden, die in der Kernphysik von Bedeutung sind. Siehe
R.S.Kurmanov, G.I.Kosenko, New method
for calculating the potential energy of deformed nuclei within the liquid-drop
model, Physics of Atomic
Nuclei, 67 (2004) 2073-2079. (Es begeistert, dass noch im dritten
Jahrtausend eine dermaßen geniale Arbeit auf dem Gebiet der mathematischen
Physik verfasst werden konnte. Wer einen Sonderdruck als pdf-Datei haben
will, kann Ramil Kurmanov fragen. Seine E-Mail-Adresse: kurmanovrs(ät)mail.ru.)
[kernspaltung]
In den meisten Lehrbüchern wird behauptet, die Kernspaltung sei 1938 von Otto
Hahn und Fritz Straßmann entdeckt worden. Tatsächlich hat schon 1934 Ida Noddack-Tacke,
Über das Element 93, Angewandte Chemie 47 (1934) 653–655, bestimmte
experimentelle Ergebnisse richtig
als Resultat der Kernspaltung gedeutet.
[kombinatorik]
Beim Schalenmodell für Kerne, insbesondere bei der Berechnung der magischen
Zahlen taucht die Frage auf, wie viele Möglichkeiten es gibt drei nicht negative ganze Zahlen k,l,m
so zu wählen, dass deren Summe einer vorgegebenen natürlichen Zahl N gleichkommt: k+l+m=N.
Das ist eine einfache kombinatorische Aufgabe, deren Lösung nicht trivial ist. Überhaupt
wird Kominatorik - wenn überhaupt - als eine unsystematische Sammlung nur speziell anwendbarer
Tricks betrieben. Die systematische Methode wird von G.Polya, G.Szegö, Aufgaben
und Lehrsätze aus der Analysis I, Springer-Verlag Berlin 1970 im 1.Kapitel erklärt.
[macdonald]
Aus sin(z) und cos(z) werden die hyperbolischen Funktionen sinh(w) und cosh(w), sobald
z rein imaginär ist: w=iz. In ähnlicher Weise werden aus den besselschen Funktionen
J_n(z) und Y_n(z) (n=0,1,2,...) die MacDonald-Funktionen I_n(w)
und K_n(w),
die auch modifizierte Bessel-Funktionen
genannt werden.
[magisch]
Als magische Zahlen der Kernphysik werden 8, 20, 28, 50, 82 und 126 genannt.
Hat ein Kern just soviele Protonen Z und/oder Neutronen N, ist er ungewöhnlich stabil.
So sind zehn Zinn-Isotope
wegen Z=50 stabil. Der doppelt magische Kern 132Sn lebt trotz seines ungeheuren
Überschusses an Neutronen lange. Eine neue Arbeit über 133Sn hat bestätigt, dass
das hundertdreiunddreißigste Neutron nur locker gebunden ist. K.L.Jones et al.: The magic
nature of 132Sn explored through the single-particle states of 133Sn,
Nature 465 (2010) 454–457. Deformierte Kerne können andere magische Zahlen haben,
z.B. Z=114 bei den Superschweren.
[neutron]
Da Neutronen nicht elektrisch geladen sind und deswegen nicht ionisieren,
können sie nur durch Reaktionen mit Protonen gemessen werden.
Wichtigstes Beispiel: Neutronen stoßen Protonen im Wasserstoff.
Die so beschleunigten Protonen ionisieren die Materie in ihrer Umgebung.
Die Ladung der freigesetzten Elektronen wird gemessen. Eine andere Methode
benutzt den sehr regelmäßigen Wirkungsquerschnitt
der Reaktion mit Bor (10B + n -> 7Li + alpha). Hierbei werden die
stark ionisierenden Alpha-Teilchen gemessen.
[nuklidkarte]
Eine Nuklidkarte, also eine Karte
aller bekannter Kerne (auch der superschweren), ist im Brookhaven National Laboratory
(BNL) erhältlich. Wenn man einzelne Quadrate in der Karte anklickt, erscheinen unter
der Karte detaillierte Informationen über den angeklickten Kern, z.B. Delta,der Massendefekt,
also im Wesentlichen die Bindungsenergie.
[superschwer]
10.4.2010: Element 117
in Dubna entdeckt.
[traegheitsparameter]
Exakte Berechnung der Trägheitsparameter für zwei zusammenfließende
Tropfen: U.Brosa, H.J.Krappe, On
the Dynamics of Colliding Droplets, QJMAM 33 (1980) 159-177.
[tschernobyl]
Im ukrainischen Tschjornobühl waren 4 Reaktoren vom Typ RBMK installiert.
Einer explodierte am 26.4.1986 und verseuchte große Teile Europas
mit radioaktiven Niederschlägen. Detaillierte Beschreibungen des Super-GAU auf reyl.de: Tschernobyl.
und auf wikipedia:
Katastophe von Tschernobyl. Technische Details werden in einem umfangreichen Dokument (8 MB PDF)
des USA
Department of Energy diskutiert.
[wahrheit]
From The
Gospel According to St.John the Apostle Chapter 18, Verses 37 through 38:
Pilate therefore said to him: Art thou a king then? Jesus answered: Thou sayest that I am a king. For this was I born, and for this came I into the world; that I should give testimony to the truth. Every one that is of the truth, heareth my voice. Pilate saith to him: What is truth?Aus dem Evangelium des Heiligen Apostels Johannes Kapitel 18, Verse 37 und 38:
Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?Dieser Pilatus hätte mich fragen sollen. Ich hätte seine Zweifel endgültig beseitigt. "Wahrheit ist Chi-Quadrat."
[weizsaecker]
Carl Friedrich v.Weizsäcker machte als Physiker Karriere im Dritten Reich.
Nach dem Untergang desselben wurde er Philosoph. Mit Werner
Heisenberg, einem anderen Karrieristen, hatte v.Weizsäcker 1941 Niels Bohr
in Kopenhagen besucht um dem unter die Nase zu reiben, der geniale Heisenberg
entwickle im Auftrag des Führers die Atombombe für Nazi-Deutschland.
Bohr und alle anderen sollten sich unterwerfen,
da am "deutschen Endsieg" nicht mehr zu zweifeln wäre. Nach dem
Zusammenbruch des Dritten Reichs gaben sich Heisenberg und v.Weizsäcker als
schlaue Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime aus. In dem Propaganda-Machwerk
"Heller als tausend Sonnen" behauptete Heisenberg 1956, er sei 1941 zu Bohr
gereist um diesem die geniale Sabotage zu erklären, mit der er die
Atombombe des Führer hintertreibe. Die Briefe Bohrs,
in denen Heisenbergs Lügen entlarvt werden, sind im
Internet einsehbar. v.Weizsäcker unterstützte
noch 2002 den Heuchler Heisenberg, indem er behauptete, Bohr sei nicht
dicht gewesen. v.Weizsäckers Parametrisierung der Kernmassen wird
im Literaturverzeichnis zitiert.
[wirkungsquerschnitt]
Viele beim Kernkraftwerks- und Atombomben-Bau überaus wichtige Wirkungsquerschnitte
(cross sections) für Kernreaktionen stellt das BNL zur Verfügung.
Man klickt erst auf dem Element, dessen Kern mit Neutronen beschossen
werden soll, bekommt damit rechts auf der Seite eine Liste der Isotope, klickt auf
dem interessierenden Isotop, bekommt damit eine Liste der Reaktionen, klickt auf
die interessierende Reaktion. Schließlich kann man zwischen einer Tabelle und einer
Grafik (Plot) wählen. Den in der Vorlesung diskutierten Wirkungsquerschnitt
eines Neutron auf 10B (Bor oder Boron) gibt es beispielsweise hier.
Der totale Wirkungsquerschnitt ist dem Wirkungsquerschnitt für Neutronen-Absorption
in diesem Fall ungefähr gleich.
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