Heißestes Thema in der Physik ist zur Zeit die Quantenverschränkung.
In kitschigen Märchen wird erzählt, wie Zwillinge, die auseinander gehen,
ein Messer zerbrechen und jeder eine Hälfte mit sich nimmt. Sobald die
Messerhälfte des einen Zwillings rostet, weiß dieser, dass der andere gerade
krepiert. Diese Nachrichtenübermittlung funktioniert ohne Pferd und Handy.
Sie ist unendlich schnell und kann beliebig große Abstände überwinden.
In der Quantenmechanik heißt sie - cum grano salis -
Quantenverschränkung
oder quantum entanglement.
In noch kitschigeren Science-Fiction-Filmen
wird gezeigt, wie einer in eine Maschine gerät. Er löst sich darin auf
und entsteht zugleich in umgekehrter, aber sonst gleicher Weise woanders.
In der Quantenmechanik heißt das - cum grano salis -
Teleportation.
Nachprüfbar ist Folgendes:
Ein Photon ist durch Impuls und Spin (Wellenzahlvektor und Polarisation)
definiert. Sein Spin beispielsweise kann die Werte +1 oder -1 haben.
Eine Messung des Spins bestimmt den Wert. Bestimmung
bedeutet durchaus einen Zwang, den das Messgerät ausübt: In den
meisten Fällen wird erst durch die Messung der Wert des Spins festgelegt.
Die Vorstellung, dass das Photon diesen Wert schon vorher hatte
und er durch die Messung lediglich bekannt wurde, ist wegen der
Interferenz,
zu der auch Photonen befähigt sind, falsch.
Gelegentlich werden Photonen paarweise erzeugt, und zwar von einem Atom,
das keinen Spin hat. Wegen der Erhaltung des Drehimpulses muss eines
der beiden Photonen den Spin -1 haben, das andere dagegen +1. Es ist aber
unbestimmt, welches den Spin +1 hat und welches -1. Wird der Spin eines
der beiden Photonen gemessen, nehmen wir an als +1, ist damit auch
der Spin des andren bestimmt, und zwar zu -1. Wenn also eines
der beiden Photonen durch ein Messgerät präpariert wird , erfährt das andere
davon sofort und richtet sich seinerseits umgekehrt aus. Diese momentane
Wechselwirkung über beliebig große Abstände wird Quantenverschränkung genannt.
Hier ein fetziges
Filmchen darüber, hier
und hier
was Deutsches für die Lehrerfortbildung. Die Quantenverschränkung wurde zuerst
von Einstein, Podolsky
und Rosen ausgedacht um die Quantenmechaniker lächerlich zu machen:
Wer eine Theorie propagiert, aus der Perversitäten wie die Quantenverschränkung
folgen, kann nicht richtig ticken. Leider sind diese Perversitäten mittlerweile
experimentell bestätigt. In letzter Zeit wurden Begriffe wie
Decoherence,
Einselection, Pointer States entwickelt um einige Widerwärtigkeiten
der Quantenmechanik verständlich zu machen.
In meiner Vorlesung
Theoretische Optik
sollen Heuler wie die Quantenverschränkung jedoch nur eine geringe Rolle
spielen. Vorrangig ist die Vermittlung anwendbarer Kenntnisse. Ich rechne
viele Beispiele und Anwendungen in klassischer Weise mit Kreide an der Tafel
vor und achte darauf, dass an einigen Stellen das höchste jemals erreichte
theoretische Niveau erreicht oder übertroffen wird.
- Geometrische Optik
- Grundbegriffe optischer Instrumente: Apertur, Entritts- und Austrittspupille; Feldblende, Eintritts- und Austrittsluke.
Abbildung ist Strahlenvereinigung.
1. Anwendung: professionelle Justierung eines Mikroskops [mikroskopie]
2. Anwendung: Öffnungsverhältnis alias F-Stop; Qualität eines Objektivs
[objektive].
3. Anwendung: Feldblenden in klassischen und modernen CCD-Kameras.
- Matrixmethode zur Durchrechnung optischer Instrumente
Translationsmatrix und Brechungsmatrix;
Herleitung aus der Gaußschen Dioptrik, d.h. kleine Winkel, achsennahe Strahlen.
1. Anwendung: dicke Linse.
Beantwortung der grundlegenden Fragen "Wo ist das Bild?",
"Wie groß ist das Bild?" für die dünne Linse.
2. Anwendung: Funktionsweisen von Brille, Lupe und Mikroskop.
Systeme aus zwei Linsen.
3. Anwendung: Funktionsweise der Linsenfernrohre [amateure].
4. Anwendung: Konstruktion eines Achromaten.
Übungsaufgaben:
1) Aufstellung der Reflexionsmatrix.
2) Hauptpunkte und Hauptebenen einer dicken Linse.
- Eikonal
Das Eikonal als Ausbreitungsfläche.
Herleitung der Eikonal-Gleichung aus geradliniger Ausbreitung des Lichts
im homogenen Medium und dem Snelliusschen Brechungsgesetz.
Integralkonoid als Vorbild der Kugelwelle.
Huygenssches Prinzip: Die Eikonal-Gleichung ist
nicht linear; die Superposition bei linearen Gleichungen wird durch
Einhüllung ersetzt.
1. Beispiel: Fortsetzung einer Kugelwelle durch Einhüllung.
2. Beispiel: Erzeugung einer ebenen Welle durch Einhüllung.
Separation der Eikonal-Gleichung in kartesischen Koordinaten.
Vollständige Integrale der Eikonal-Gleichung.
3. Beispiel: Erzeugung einer Kugelwelle aus ebenen Wellen
durch Einhüllung.
1. Anwendung: Sonnenuntergang und Luftspiegelungen [koyaanisqatsi].
Jacobis Theorem (Beweis in den Büchern von Arnold oder Courant und Hilbert).
2. Anwendung: Wie Schrödinger aus Eikonal-Gleichung, Hamilton-Jacobi-Gleichung und
Helmholtz-Gleichung die Schrödinger-Gleichung fabrizierte.
Konstruktion des Eikonals aus den Strahlen; Hamiltonsche Bewegungsgleichungen.
Fokalfläche alias Kaustik alias Rückkehrkante; Abbildungsfehler.
3. Anwendung: parabolischer Spiegel. Fehler: Koma.
4. Anwendung: Kugelspiegel. Fehler: sphärische Aberration.
Konstruktion des Eikonals aus den Strahlen.
Exakte Formeln zur Durchrechnung optischer Instrumente.
Übungsaufgaben:
1) Theorie der Luftspiegelung durch Inversion der Luftdichte.
2) Separation der Eikonal-Gleichung in Polarkoordinaten; Theorie des Sonnenuntergangs
mit Berücksichtigung der Erdrundung.
3) Leiten Sie aus den exakten Formeln die Matrizen des Abschnitts 1.2. ab!
- Elektrodynamische Optik
-
Die Maxwell-Gleichungen als Schrödinger-Gleichung eines einzelnen Photons.
-
Systematische Lösung der Maxwell-Gleichungen mit einem Darstellungssatz.
Vektorpotentiale. Coulomb-Eichung ist Mist, Lorenz-Eichung ist Mist. Stattdessen
Aufspaltung in Trägerfeld und skalaren Faktor.
Der Satz von der dreifachen Rotation.
Darstellungsformeln fürs elektrische und magnetische Feld.
Entkoppelte Differenzialgleichungen für die skalaren Faktoren.
Anwendung: Brechung und Spiegelung an einer Ebene. Daraus
Snellius'sches Brechungsgesetz und Reflexionsgesetz, Totalreflexion.
Fresnel-Formeln für die Amplituden, Stealth (Tarnkappen-Bomber),
Polarisierung durch Reflexion, Malus-Winkel, Brewster-Gesetz
[trickfilme].
Übungsaufgaben:
1) Nullpunktschwankungen zwischen den Platten eines Kondensators (Casimir-Effekt).
-
Die geometrische Optik als Näherung der elektrodynamischen.
Eikonal-Gleichung für die Phase, Kontinuitätsgleichung für die Amplitude.
1. Anwendung: JWKB-Näherung bei eindimensionalen Problemen.
2. Anwendung: Kugelwelle.
Huygens'sches Prinzip für Wellen.
Fraunhofer-Näherung und Fresnel-Näherung. [beugung]
Die Fraunhofer-Näherung als Fourier-Transformation.
1. Anwendung: Interferenz eines Photons hinter zwei sehr schmalen Spalten.
2. Anwendung: Beugung eines Photons am rechteckigen Spalt (Fraunhofer-Beugung).
3. Anwendung: Beugung eines Photons an einer Kante (Fresnel-Beugung).
- Quantenoptik
- Die zweite Quantisierung.
6-dimensionaler Raum für zwei Photonen.
Symmetrisierung erzwingt Verschränkung.
Literatur
- V.I. Arnold: Mathematical Methods of Classical Mechanics, Springer Berlin 1980, ISBN 3-540-90314-3
- Max Born: Optik, Springer Berlin 1933 und später
- Max Born, E. Wolf: Principles of Optics, Pergamon Press Oxford 1968, Cambridge University Press 1999, ISBN 0-521-64222-1
- Richard Courant, David Hilbert: Methoden der mathematischen Physik, Springer Berlin 1937 und später
- Robert E. Fisher: Internet Lecture 2007 Imaging optics for the next decade
- Georgia State University: Hyperphysics ein
Internet-Lehrbuch der Physik; dabei auch ein Kapitel über Optik Light and Vision
- Heinz Haferkorn: Optik. Physikalisch-technische Grundlagen und Anwendungen, Wiley-VCH 2003, ISBN 3-527-40372-8
- E. Hecht: Optik. Oldenburg Verlag München 2001, ISBN 3-486-24917-7
- Ian Kenyon: The Light Fantastics, Oxford University Press 2008, ISBN 0-198-56646-8
- Max v.Laue: Röntgenstrahl-Interferenzen, Akademische Verlagsgesellschaft Frankfurt a.M. 1960
- S.G.Lipson, H.Lipson, D.S.Tannhauser: Optical Physics, Cambridge University Press 1995, ISBN ISBN 0-521-43631-1
- Dieter Meschede: Optik, Licht und Laser, Teubner Verlag Wiesbaden 2005, ISBN 3-519-13248-6
- José-Philippe Peréz: Optik, Spektrum Akademischer Verlag 1996, ISBN 3-86025-389-1
- F. Pedrotti, L. Pedrotti, W. Bausch, H. Schmidt: Optik eine Einführung, Prentice Hall 1996, ISBN 3-8272-9510-6
- Hartmann Römer: Theoretische Optik, VCH Weinheim 1994, ISBN 3-527-29066-4
- Warren J. Smith: Modern Lens Design, McGraw-Hill 2004, ISBN 0-071-43830-0
- Arnold Sommerfeld: Optik, Harri Deutsch Frankfurt a.M. 1988, ISBN 978-3-87144-377-0
- Gregor Weihs und Anton Zeilinger: Photon
statistics at beam splitters, Universität Wien 2001
Anmerkungen
[amateure]
In der Astronomie gehört es noch heute zum guten Ton Linsen selbst
zu schleifen und Teleskope selbst zu montieren. Im Universum fliegt
so viel Dreck herum, dass auch Amateuren
genug zu entdecken bleibt. In der Szene gibt es echte Gurus.
[beugung]
Ungewöhnlich schöne und systematische Fotografien der Beugung
des Lichts. Die Links links auf der Seite anklicken:
"La diffraction par", z.B.Beugung
an einer geraden Kante usw..
[diffraction]
ist das bessere Wort für Beugung. Diffrangere heißt auseinanderbrechen:
Ein Bündel von Lichtstrahlen, das auf eine Kante trifft, wird auseinandergebrochen.
Eine Ableitung der Diffraktion des Lichts
aus den Maxwell-Gleichungen erschien erst im Jahr 2009. Die PDF-Datei dieses Artikels:
Diffraction of Electromagnetic Waves.
[hubble]
Hubble Space Telescope ist ein konventionelles Spiegel-Fernrohr, das
außerhalb der Atmosphäre betrieben wird. In einer Serie von Movies bei Youtube
(Kapitel 1 bis 9.2) werden Funktionsweise und Ergebnisse gezeigt.
Eindrucksvoll ist zum Beispiel der Vergleich einiger Hubble-Aufnahmen mit
Berechnungen eines Zusammenstoßes zweier
Galaxien.
[koyaanisqatsi]
In diesem Ausschnitt
aus Koyaanisqatsi wird ab 1:03 eine Luftspiegelung über einem
heißen Rollfeld gezeigt. Die Spiegelung ist so stark, dass eine Boeing 747 in
einem See zu schwimmen scheint.
[mikroskopie]
Website mit schönen mikroskopischen
Aufnahmen.
[objektive]
Die Konstruktion der bekanntesten Objektive ist bei foto-net
dargestellt. Berühmt sind das Petzval-Objektiv des genialen
Exzentrikers Jozef Petzval
und das Tessar des braven Paul Rudolph.
[quantenoptik] Didaktisches aus der Uni Erlangen-Nürnberg,
was die Existenz
einzelner Photonen betrifft. Anschaulich und schon deshalb empfehlenswert,
während ein paar Formeln falsch sind. Die angebotenen Deutungen der Experimente
sollten angezweifelt werden. Das gilt besonders für den Hong-Ou-Mandel-Effekt.
Meines Erachtens haben die Physiker bis heute nicht verstanden,
was bei der Absorption elektromagnetischer Strahlung geschieht.
[raytracing] Programme zur Verfolgung einzelner
Strahlen (ray tracing):
Fred
(kostet was), POV (umsonst), Anleitung
zum Selbermachen, vierdimensionales
Ray-Tracing in gekrümmter Raumzeit.
[täuschungen]
Mit unveränderlichen Bildern
kann Bewegung vorgetäuscht werden.
[trickfilme]
Die bekanntesten optischen Effekte und ein paar weniger bekannte werden
in einer Serie von Trickfilmen
veranschaulicht.
Nicht gemacht
- Projektive Geometrie.
- Symplektische, kanonische Transformationen, Abbesche Sinusbedingung.
- Morse- und Maslov-Indices
- Kirchhoffs Ableitung des Huygens-Prinzips
für Wellen. Viel besser von U.Brosa,
Z.Naturforsch.65a,1-24(2010) (free preprint)
- Holografie.
- Methode der stationären Phase.
- Exakte Lösung der Maxwell-Gleichungen für die Beugung an der Kante.
- Lichtwellenleiter, Bessel-Funktionen.
- Kristalloptik, konische Refraktion, Index-Ellipsoid.
- Spontane und induzierte Emission.
- Statistische Eigenschaften der Photonen, Hanbury-Brown-Twiss-Effekt, Bose-Statistik
- Kohärenter Zustand, Laser, Granulation, Quantenoptik
- Spinoren und Vektoren.